{"id":2059,"date":"2014-10-24T15:15:41","date_gmt":"2014-10-24T13:15:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.torstenfell.com\/academy\/?p=2059"},"modified":"2018-02-17T04:08:20","modified_gmt":"2018-02-17T03:08:20","slug":"blended-learning-informelles-lernen-wird-wichtiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.torstenfell.com\/academy\/blended-learning-informelles-lernen-wird-wichtiger\/","title":{"rendered":"Blended Learning: Informelles Lernen wird wichtiger"},"content":{"rendered":"<div class=\"news-list-date\">Personal Schweiz &#8211; Ausgabe Oktober 06\/2014<\/div>\n<div class=\"header\">\n<h4>Trends wie Blended Learning und Social Learning ver\u00e4ndern die betriebliche Aus- und Weiterbildung. Lern- und Wissensmanagement-Experte Torsten Fell glaubt, dass wir in Zukunft weniger in Seminaren, sondern vor allem beim Arbeiten lernen werden.<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><i>personalSCHWEIZ:<\/i> Herr Fell, wie werden wir im Jahr 2034 lernen?<\/b><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"header\">\n<p><b>Torsten Fell:<\/b> Aus Unternehmenssicht wird das Lernen emotionaler und st\u00e4rker auf die Praxis ausgerichtet sein. Wir haben heute in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung nach wie vor das Problem, dass Theorie und Praxis meist noch sehr stark getrennt sind. Auch wird das Lernen k\u00fcnftig individueller auf den Lernenden zugeschnitten sein, wodurch die pers\u00f6nlichen Talente und Vorlieben in den Mittelpunkt r\u00fccken. Viele, auch hochwertige, Lerninhalte werden in Zukunft kostenlos angeboten und \u00fcber mobile Ger\u00e4te jederzeit zug\u00e4nglich sein. Zudem werden die Lerninhalte viel st\u00e4rker in den Arbeitsalltag integriert. Diese Ver\u00e4nderungen werden f\u00fcr Unternehmen auf der einen Seite im Kundenkontext, im Herstellungs- oder im Verkaufsprozess relevant sein. Auf der anderen Seite wird es eine Entwicklung geben, die von den rechtlichen Regularien getrieben ist. In Bezug auf die Compliance werden Unternehmen in Zukunft vermehrt nachweisen m\u00fcssen, was die Mitarbeitenden konkret gelernt haben. Dar\u00fcber hinaus werden die verschiedenen Lernbereiche in Zukunft nicht mehr so stark wie heute getrennt sein, sondern viel st\u00e4rker in integrierter Form, modularer und kleinschrittiger angeboten werden. Zudem glaube ich, dass digitale Assistenten uns k\u00fcnftig aktiv beim Lernen unterst\u00fctzen werden, indem sie uns aufgrund unserer Bed\u00fcrfnisse und Vorlieben die richtigen Lerninhalte zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<h3><b>Sie unterscheiden zwei Arten des Lernens, das formale und das informelle Lernen. Wo liegt der Unterschied \u2013 und wo die Zukunft?<\/b><\/h3>\n<p>Formales Lernen basiert auf gesteuerten Strukturen, das heisst, es gibt zum Beispiel eine HR-Abteilung, die vorgibt, was wie gelernt werden soll. Alle Menschen lernen heute aber schon in informellen Prozessen, auch wenn ihnen das gar nicht so bewusst ist. Wenn Sie zum Beispiel in einer Kaffeepause eine fachliche Frage mit einem Arbeitskollegen diskutieren oder diese von ihm sogar beantwortet bekommen, dann handelt es sich dabei um informelles Lernen, weil der Lernprozess nicht von jemandem gesteuert, sondern von Ihnen selbst initiiert wird. Wenn wir heute ein Problem haben, informieren wir uns in der Regel zuerst einmal im Internet, suchen Inhalte und L\u00f6sungen und wenden diese dann auch meist direkt an. Solche informellen Lernprozesse sind heute f\u00fcr uns alle ganz selbstverst\u00e4ndlich und werden immer wichtiger. Dennoch werden diese in der Aus- und Weiterbildung der Unternehmen praktisch so gut wie gar nicht unterst\u00fctzt. Die sogenannte 70:20:10-Regel besagt, dass in Unternehmen lediglich zu 10 Prozent in formalen Prozessen wie zum Beispiel in Seminaren, Workshops und Coachings gelernt wird. 20 Prozent des Lernens passieren im Austausch mit Arbeitskollegen und 70 Prozent im Arbeitsprozess selbst, wenn Dinge ausprobiert und Informationen eingeholt werden. Das Problem ist nun aber, dass Unternehmen heute 90 Prozent bis 95 Prozent ihrer Ressourcen in die rein formale Aus- und Weiterbildung investieren, die aber in der Realit\u00e4t nur 10 Prozent des Lernens ausmacht. Verr\u00fcckt, oder?<\/p>\n<h2><i>\u00abInformelle Lernprozesse sind heute f\u00fcr uns alle ganz selbstverst\u00e4ndlich. Dennoch werden diese in der Aus- und Weiterbildung der Unternehmen praktisch so gut wie gar nicht unterst\u00fctzt.\u00bb <\/i><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><b>Wo sehen Sie weitere Schw\u00e4chen in den heutigen Aus- und Weiterbildungskonzepten?<\/b><\/h3>\n<p>Ein grosser Schwachpunkt ist der Wissenstransfer. Unternehmen bieten Seminare, Workshops und Coaching an, wobei diese Ausbildungsangebote meist nicht \u00fcber das Ausf\u00fcllen der Feedback-Fragebogen hinausgehen. Zu diesem Zeitpunkt wird es aber erst richtig spannend, denn das Wissen, das ich im Seminar vermittelt bekommen habe, muss ich ja nun in der Praxis anwenden. Dieser Prozess des Wissenstransfers kann mehrere Wochen oder gar Monate dauern und wird heute in Unternehmen nicht systematisch begleitet. Um den Wissenstransfer sicherzustellen, ist es wichtig, dass die Mitarbeitenden sich mit den Erfahrungen, die sie mit dem Gelernten gemacht haben, austauschen k\u00f6nnen. Zum Beispiel k\u00f6nnen in Communities oder in virtuellen Klassenr\u00e4umen, Wissen und Erfahrung untereinander geteilt und neues Erfahrungswissen und Best Practice generiert werden. Ein weiterer grosser Schwachpunkt ist der Umstand, dass Unternehmen ihren Mitarbeitenden im Arbeitsprozess vielfach nicht die n\u00f6tige Unterst\u00fctzung bieten. Bei diesem sogenannten Performance-Support geht es darum, dass Unternehmen den Mitarbeitenden passende, sogenannte kontextsensitive, Lern- und Wissensinhalte anbieten. Das k\u00f6nnte man heute technologisch auch stark automatisiert anbieten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><b>Unter dem Slogan \u00abArbeiten = Lernen, Lernen = Arbeiten\u00bb propagieren Sie das Lernen im Arbeitsprozess. Wie kann ein Unternehmen dieses Credo umsetzen?<\/b><\/h3>\n<p>Dies ist heute ja schon in den informellen Lern- und Wissensprozessen gang und g\u00e4be. Nur wird es so gut wie gar nicht aktiv unterst\u00fctzt. Aus HR-Sicht braucht es daf\u00fcr die folgenden Voraussetzungen: Erstens muss HR das Business des Unternehmens, also die Gesch\u00e4ftsstrategie und -prozesse, die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens kennen und verstehen. Zweitens muss es auch die Zielgruppe und ihre Bed\u00fcrfnisse und Rahmenbedingungen wirklich kennen. Und dies ist ein Punkt, wo ich noch viel Nachholbedarf sehe, denn im Arbeitsprozess gibt es andere Herausforderungen bez\u00fcglich des Lernens als beim klassischen Lernansatz \u00fcber Seminare oder Workshops. Wenn HR die genannten Voraussetzungen wirklich kennt, dann kann es sich \u00fcberlegen, wie \u00fcber effiziente Tools technologischer Art, aber auch durch konzeptionelle \u00dcberlegungen Inhalte im Arbeitsprozess zur Verf\u00fcgung gestellt werden k\u00f6nnen. Diese sollten kleinschrittig und modular aufgebaut sein, denn wenn heute jemand eine neue Software erlernen m\u00f6chte, dann will er kein dreist\u00fcndiges Lernprogramm absolvieren, sondern in kleinen ein- oder zweimin\u00fctigen gef\u00fchrten Touren einen bestimmten Prozessschritt erkl\u00e4rt bekommen, der direkt umgesetzt und angewendet werden kann. Dies k\u00f6nnen Sie aber auch mit Guides in der Software selbst realisieren, ein bekanntes Beispiel ist die \u00absprechende\u00bb B\u00fcroklammer in den \u00e4lteren Versionen von Microsoft Office. Heute gibt es diesbez\u00fcglich aber noch ganz andere M\u00f6glichkeiten, die leider aber meist nicht genutzt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><b>Wo liegt f\u00fcr ein Unternehmen der Mehrwert von E-Learning im Vergleich zu den klassischen Lernmethoden, wie zum Beispiel Seminare und Workshops, die im Stil des schul\u00fcblichen Frontalunterrichts durchgef\u00fchrt werden? <\/b><\/h3>\n<p><b><br \/>\n<\/b> Ein wirklich gutes Seminar ist gar nicht so weit weg vom E-Learning, denn ein solches Seminar ist interaktiv, es ist emotional, kn\u00fcpft an Vorwissen an, bindet die Teilnehmer aktiv ein und gibt Raum f\u00fcr Reflexion und Feedback. Ein erster Mehrwert von E-Learning liegt einerseits Skalierungseffekt: Ein Seminar k\u00f6nnen sie sinnvollerweise mit maximal 15 Teilnehmern durchf\u00fchren, ein E-Learning-Angebot k\u00f6nnen sie theoretisch jedoch f\u00fcr mehrere zehntausend Leute machen \u2013 und das auch noch zeit- und ortsunabh\u00e4ngig. Ein zweiter Mehrwert des E-Learning ist, dass es modularer und individueller ist, zumindest wenn es gut gemacht ist. Zum Beispiel k\u00f6nnen Sie in ein E-Learning-Angebot einen Einstiegstest mit Fachfragen integrieren, die dann von jedem Teilnehmer individuell beantwortet werden. Damit weiss das Lernprogramm, was der Teilnehmer schon weiss oder eben nicht weiss, und damit bekommt jeder Teilnehmer ein individuell auf ihn zugeschnittenes Lernangebot. Das wird leider heute noch viel zu wenig gemacht, da der Aufwand f\u00fcr einen solchen Einstiegstest mit darauf folgenden, adaptiv zugeschnittenen Lerninhalten relativ gross ist. Ein dritter Mehrwert des E-Learning ist der Technologieeinsatz: \u00dcber sogenannte Learning Analytics k\u00f6nnen Sie analysieren und interpretieren, bei welchen Punkten ein Teilnehmer besonders lang gebraucht hat und wo er noch weitere Unterst\u00fctzung ben\u00f6tigt. Zudem bietet die Technologie auch die M\u00f6glichkeit der Verwendung relativ neuartiger Endger\u00e4te, wie zum Beispiel Tablets, welche die Steuerung der Lerninhalte \u00fcber GPS, Bewegungs- und Gestensteuerung erlauben. Alle diese Punkte werden heute aber im E-Learning leider noch nicht umfassend eingesetzt, sondern allenfalls punktuell. Dies hat meist nicht-emotionale und nicht an der Umsetzung orientierte Lerninhalte zur Folge, die dem Lernenden die Lust am Lernen nehmen.<\/p>\n<h2><i>\u00abDas Problem ist, dass Unternehmen heute 90 Prozent bis 95 Prozent ihrer Ressourcen in die rein formale Aus- und Weiterbildung investieren, die aber in der Realit\u00e4t nur 10 Prozent des Lernens ausmacht.\u00bb<\/i><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><b>Haben die klassischen Methoden des formellen Lernens Ihrer Meinung nach denn \u00fcberhaupt noch eine Zukunft? <\/b><\/h3>\n<p><b><br \/>\n<\/b> Wenn Seminare zur reinen Wissensvermittlung dienen, heisst die Antwort Nein. Die reine Wissensvermittlung kann heute mit anderen Methoden effizienter umgesetzt werden. Wenn es aber darum geht, Erfahrungswissen weiterzugeben, die aktive Beteiligung der Teilnehmer und den Wissenstransfer zu erm\u00f6glichen, dann w\u00fcrde ich die Frage mit Ja beantworten. Das alles ist aber auch eine Frage der Kosten, denn vom 1:1-Coaching einmal abgesehen sind Seminare die teuerste Form der Ausbildung in Unternehmen. Deshalb sollte diese kostbare Pr\u00e4senzzeit nicht f\u00fcr die reine Wissensvermittlung genutzt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><b>Kennen Sie Beispiele von Unternehmen, die E-Learning bereits erfolgreich einsetzen?<\/b><\/h3>\n<p>Dazu zwei kleine Vorbemerkungen: Erstens setzen Unternehmen E-Learning in der Regel in Kombination mit anderen Lernmethoden ein, wobei man dann vom sogenannten Blended Learning spricht. Zweitens nutzen sie E-Learning zur Unterst\u00fctzung im Arbeitsprozess. Dazu ein Beispiel aus dem Sales-Bereich: Ein Unternehmen veranstaltet ein j\u00e4hrliches Treffen der Top-30-Verk\u00e4ufer und bereitet die Inhalte dieses Treffens in Form von Videosequenzen auf, die dann wiederum 3\u2018000 Aussendienstmitarbeitenden zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Dabei werden also auf der einen Seite Erfahrungs- und Wissensinhalte skaliert, die dann wiederum in andere Prozesse eingebunden werden. In der Schweiz ist in dieser Hinsicht die Credit Suisse schon sehr weit, da sie schon vor 20 Jahren damit angefangen hat, E-Learning- bzw. Blended-Learning-Konzepte zu entwickeln. Ein gutes Beispiel im Bereich der Produktion ist die B\u00fchler AG, die vor rund eineinhalb Jahren begann, in China virtuelle Klassenr\u00e4ume f\u00fcr ihre Auszubildenden bereitzustellen. Dadurch k\u00f6nnen Schweizer Lernende, die f\u00fcr einige Monate in die B\u00fchler-Werke nach China gehen, w\u00e4hrend dem Auslandsaufenthalt den Schweizer Fachunterricht weiter besuchen. Inzwischen werden damit auch Fachschulungen f\u00fcr chinesische Lernende oder weltweite Produktschulungen f\u00fcr Mitarbeitende und Kunden durchgef\u00fchrt. <b><br \/>\n<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><b>Sie haben den Begriff Blended Learning erw\u00e4hnt. Was ist darunter genau zu verstehen?<\/b><\/h3>\n<p>Den Begriff \u00abBlended\u00bb kennen wir ja aus der Whisky- oder Teeherstellung. Dort werden verschiedene Sorten Whisky oder Tee gemischt, um die Qualit\u00e4t des Endproduktes zu steigern. Das ist auch der Ansatz des Blended Learning: Man mischt verschiedene Lernmethoden, um die Qualit\u00e4t des Lernproduktes zu steigern. Man unterscheidet dabei eine Vorbereitungs-, eine Durchf\u00fchrungs- und eine Nachbearbeitungsphase. Clevere Unternehmen f\u00fcgen dem aus den von mir schon genannten Gr\u00fcnden noch eine vierte Phase, n\u00e4mlich eine Transferphase, hinzu. Die zentrale Ausgangsfrage bleibt dabei aber immer: Wo kann ich welche Lernmethoden mit welchem Ziel am besten einsetzen?<\/p>\n<h2><i>\u00abDie reine Wissensvermittlung kann heute mit anderen Methoden effizienter umgesetzt werden als mit Seminaren.\u00bb <\/i><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><b>Ein weiterer Trend ist Social Learning. Welches Potenzial sehen Sie hier f\u00fcr das HR?<\/b><\/h3>\n<p>Social Learning verfolgt den gleichen Ansatz wie die bekannten Social-Media-Plattformen Facebook oder Twitter. Deren User geh\u00f6ren zu einer Community und erhalten von dieser virtuellen Gemeinschaft Ideen, Antworten auf ihre Fragen, Feedback und auch Wertsch\u00e4tzung. Diese Wertsch\u00e4tzung macht sich Social Learning zunutze. Stellen Sie sich zum Beispiel eine weltweite Community zum Austausch mit Ihren 3\u2018000 Arbeitskollegen aus dem Vertrieb vor oder eine Community, in der sich Teilnehmer einer Weiterbildung mit anderen Teilnehmern austauschen k\u00f6nnen. Hier bietet sich f\u00fcr HR die M\u00f6glichkeit, Social Learning durch die Nutzung eines Skalierungseffektes zielgerichtet in einen Lernprozess zu integrieren und Community-Inhalte auch f\u00fcr die Entwicklung von neuen Weiterbildungsangeboten zu nutzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><b>Welche weiteren Trends werden die Zukunft des Lernens mitbestimmen?<\/b><\/h3>\n<p>Ein grosses Thema ist der Einsatz von Videos. Damit k\u00f6nnen zum Beispiel Inhalte zur Schulung des Verkaufs in einem unternehmensinternen eigenen Sales-Channel nach dem Motto \u00abAus der Praxis f\u00fcr die Praxis\u00bb zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Der Ansatz des Social Video Learning ist f\u00fcr mich der n\u00e4chste logische Schritt in der Entwicklung im Bereich Video: Raus aus der kommunikativen Einbahnstrasse, rein in einen Dialograum. Ein aktuelles Thema sind auch virtuelle Klassenr\u00e4ume und Webinare, mit deren Technologie man interaktiv mit dezentral verteilten Teilnehmern zu einer bestimmten Zeit am selben Ort virtuell arbeiten kann. Immer beliebter wird der sogenannte \u00abFlipped Classroom\u00bb, ein Konzept, bei dem die reine Wissensvermittlung elektronisch ausgelagert wird und die Pr\u00e4senzzeit nur \u2013 und zwar ausschliesslich nur \u2013 f\u00fcr den Erfahrungsaustausch, die Beantwortung von Fragen oder \u00dcbungen genutzt wird. Dies wird heute schon relativ h\u00e4ufig im Hochschulbereich versucht, um die klassischen Vorlesungen abzul\u00f6sen. Ein weiterer aktueller Trend ist die sogenannte \u00abGamification\u00bb, also das Lernen in einem spielerischen Umfeld. Dies macht in der Schweiz zum Beispiel Coca-Cola im F\u00fchrungs- und Verkaufsumfeld. Denkbar sind hier zum Beispiel Quizduelle mit Arbeitskollegen, etwa um das Verst\u00e4ndnis der Unternehmensstrategie zu f\u00f6rdern. Dar\u00fcber hinaus m\u00f6chte ich noch einen letzten Trend erw\u00e4hnen, n\u00e4mlich das Thema Massive Open Online Course (MOOC), was man mit \u00abOffener Online-Kurs mit vielen Teilnehmern\u00bb \u00fcbersetzen k\u00f6nnte. Solche kostenlosen, f\u00fcr jeden verf\u00fcgbare Lernangebote bieten heute schon sehr viele Hochschulen an. So k\u00f6nnen Sie zum Beispiel die Vorlesung eines renommierten Professors \u00fcber ein halbes Jahr lang mitverfolgen und auf Blogs, Wikis und Communities zum Thema zugreifen. Zudem sind MOOCs als eine Art Customer Academy f\u00fcr die Produktschulung von Kunden denkbar. Die MOOCs von SAP werden in Deutschland bereits von \u00fcber 60\u2018000 \u00abStudenten\u00bb besucht. Unternehmen k\u00f6nnen die von den Universit\u00e4ten angebotenen MOOCs aber nat\u00fcrlich auch f\u00fcr ihre eigenen Weiterbildungszwecke nutzen, beispielsweise f\u00fcr Aus- und Weiterbildungen im Bereich Leadership.<\/p>\n<h2><i>\u00abHR-Mitarbeitende werden heute noch nach alten Denkmustern ausgebildet. Es gibt praktisch keine Angebote, welche die neuen Formen des Lernens inhaltlich vermitteln.\u00bb <\/i><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><b>Ben\u00f6tigen HR-Verantwortliche f\u00fcr solche neuen Methoden auch neue Kompetenzen?<\/b><\/h3>\n<p>Mit Sicherheit. HR-Mitarbeitende werden heute noch klassisch nach alten Denkmustern und Strukturen ausgebildet. Es gibt praktisch keine Angebote, welche die neuen Formen des Lernens dem HR inhaltlich vermitteln. Und was dabei noch viel bedenklicher ist, ist die Tatsache, dass zuk\u00fcnftige HR-Mitarbeitende solche neuen Methoden und Technologien in ihrer eigenen Ausbildung \u00fcberhaupt nicht kennenlernen. Warum sollte ein HR-Mitarbeitender sp\u00e4ter in seinem Unternehmen solche Methoden und Technologien \u00fcberhaupt platzieren, wenn er sie in seiner Ausbildung ja gar nicht selbst erlebt hat? Es m\u00fcssen also ganzheitliche, innovative und mit Technologien unterst\u00fctzte Sichtweisen verstanden und generiert werden k\u00f6nnen. Diese Mischung wird es eben ausmachen. R\u00fccken Sie den Lernenden und seine Bed\u00fcrfnisse in den Mittelpunkt \u2013 nat\u00fcrlich immer ausgerichtet auf die Unternehmensstrategie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><b>Lassen Sie uns zum Schluss einen kritischen Blick in die technologische Zukunft werfen. Smartphones, Tablets, Head-up-Displays in den Frontscheiben von Autos, Googles Datenbrille \u2013 erleben wir das Leben zuk\u00fcnftig nur noch auf Displays?<\/b><\/h3>\n<p>Ja und Nein. Wir werden uns noch wundern, was technologisch in den n\u00e4chsten Jahren und Jahrzehnten realisiert werden wird, wie zum Beispiel Kontaktlinsen mit eingebauten Datendisplays oder Displays in Plastikoberfl\u00e4chen. Der neue Luxus wird jedoch \u00aboffline\u00bb heissen. So gibt es zum Beispiel erste \u00dcberlegungen zu Offline-Zonen in Bahnh\u00f6fen. Im Wellness-Bereich finden Sie heute schon sogenannte Digital-Detox-Angebote und es gibt bereits Hotels, die bewusst Handy-St\u00f6rsender betreiben. Wir werden mehr und mehr erfahren, dass es im Leben auch darum geht, bewusst offline zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellenverweis: <a href=\"http:\/\/www.personal-schweiz.ch\/experten-interviews\/article\/blended-learning-informelles-lernen-wird-wichtiger\/\">PersonalSchweiz Oktober 2014<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview PersonalSchweiz &#8211; Trends wie Blended Learning und Social Learning ver\u00e4ndern die betriebliche Aus- und Weiterbildung. 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